Weiler

Der Ortsname Weiler geht im Wortstamm auf das lateinische „villarium“ zurück, was Gehöft bedeutet. Archäologische Funde zeugen von einer keltischen Besiedelung. Der Ort ist jedoch eine Gründung des Benediktinerklosters St. Gallen und in einer von dessen Urkunden aus dem Jahr 894 als „wiilare“ erstmals bezeugt. Seit 1570/71 gehörte Weiler zur Herrschaft Bregenz und verblieb politisch bei Österreich, bis es 1806 durch Napoleon mit ganz Vorarlberg Bayern zugeschlagen wurde. Der Unwille der Bevölkerung dagegen war groß und führte 1809 zu einem Aufstand, doch nur die südlichen Gebiete Vorarlbergs fielen 1814 wieder an Österreich, während das Gebiet des heutigen Landkreises Lindau bei Bayern verblieb. 1769 erhielt der Ort die Marktrechte. Die politische Gemeinde heißt seit dem Zusammenschluss mit dem Nachbarort und mit Ellhofen in der Gebietsreform 1972 Weiler-Simmerberg.


Kirchlich gehörte Weiler durch die Jahrhunderte zum Bistum Konstanz bis zu dessen Auflösung 1821. Diese Zugehörigkeit spiegelt sich auch künstlerisch und kulturell wider, woraus sich manche Ähnlichkeiten zu Schweizer Sakralbauten erklären. Seit 1821 ist Weiler Teil der Diözese Augsburg. Als einer Urpfarrei waren Weiler einst Scheidegg, Scheffau, Lindenberg, Simmerberg und Oberreute unterstellt, die nach und nach selbständige Pfarrorte wurden.


Der heutige, dem hl. Bischof und Märtyrer Blasius gewidmete Kirchenbau wurde 1804 geweiht. Der schlanke Turm mit der markanten grünen und weithin sichtbaren Spitze stammt noch vom Vorgängerbau und in Teilen aus dem 14 Jahrhundert. In ihm hängen fünf Bronzeglocken, von denen drei historisch wertvoll sind. Im 19. Jahrhundert erlaubte man sich im Inneren des jetzigen Gotteshauses Erneuerungen im Zeitgeschmack, unter anderem wurde ein Großteil des Stucks abgeschlagen. Von den dabei eingelagerten Kunstgegenständen konnten vier Altarbilder und die Skulpturen und Reliefs der Kanzel 1923-25 in eine wiederum neu konzipierte Ausstattung einbezogen werden. Die Veränderungen an der Raumschale wurden wieder rückgängig gemacht, die Fresken von Andreas Brugger restauriert und eine frühklassizistisch anmutende Dekoration geschaffen. Der heutige Hochaltar wurde nach langen Diskussionen 1935-38 in modernem Stil verwirklicht. Nach dem 2. Weltkrieg wich die Farbigkeit der Decke einem einheitlichen Grauweiß um die Fresken. Dies wurde bei der letzten Restaurierung zwar korrigiert, allerdings nicht nach dem Vorzustand. Der Orgel aus der Epoche der Spätromantik wurde 2005 ein hoher Denkmalwert zuerkannt, was eine umfangreiche und als vorbildlich geltende Restaurierung nach sich zog. Unter anderem wurde dabei die noch aus der Bauzeit 1897 der Orgel vorhandenen Register der Orgelbaufirma Steinmeyer in Oettingen im Ries gerettet.


Neben der Pfarrkirche laden noch die Kriegergedächtniskapelle nördlich neben der Fassade der Pfarrkirche, die Lourdesgrotte beim Eingang in die Hausbachklamm, die Kapellen „St. Sebastian“ am südöstlichen Ortseingang, „St. Wendelin“ in Bremenried, „St. Josef“ in Obertrogen, die Augenkapelle „St. Ottilie“ in Salmers sowie die Kapelle „Heilig Kreuz“ in Altenburg zu einem Besuch und zum stillen Gebet ein.


Quelle: Hans Christian Ries: Pfarrkirche St. Blasius und Kapellen Weiler im Allgäu, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg. 1. Auflage 2012.